Demobericht – Protestaktion am 20. Juni 2026 gegen die „Sex Work“-Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn

7.07.2026

Erster Teil: Kundgebung draußen

Am Samstag, den 20. Juni 2026, fand vor der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn eine gemeinsame Kundgebung von NRW pro Nordisches Modell, Initiative „Lasst Frauen Sprechen!“, Femen Germany, Sisters e.V., Netzwerk Ella und dem Bundesverband Nordisches Modell statt.

Trotz extremer Hitze nahmen etwa 20–25 Frauen und Männer teil. Die Stimmung war engagiert und kämpferisch. Die Gruppe traf sich ab 14 Uhr zum Aufbau; die Kundgebung begann um 15 Uhr.

Die Passanten zeigten großes Interesse. Manche blieben stehen, nahmen Flyer entgegen und führten Gespräche. Es gab auch ablehnende Stimmen, vor allem von älteren Männern, die die Demo jedoch filmten und dokumentierten.

Die Sprechchöre wurden laut und mit starker Resonanz gerufen, darunter auch Rufe nach der sofortigen Schließung der Ausstellung:

  • „Sexkauf ist Gewalt an Frauen“
  • „Freier sind Verbrecher – Freier in den Knast“
  • „Frauen sind keine Ware – Nordisches Modell jetzt!“
  • Bundeskunsthalle! Ausstellung dicht!

      Was wollen wir? Ausstellung dicht!

      Wann? — Sofort!

Die sofortige Schließung der Ausstellung wird deshalb gefordert, weil dort die grausamen Lebensrealitäten von versklavten Frauen unter dem Begriff „Sexarbeit“ romantisiert werden. Das ist bewusste Geschichtsklitterung. Die brutale Gewalt, der Frauen in der Prostitution ausgesetzt sind, wird ausgeklammert. Eine Ausstellung über Prostitution, in der der Freier als Hauptakteur, als Käufer der Frau, nicht einmal thematisiert wird, verhöhnt die Frauen, die in diesem System gewaltsam ausgebeutet werden. Prostitution ist eben kein „normaler Beruf“ und darf auch nicht als solcher dargestellt werden.

Die Kundgebung wurde mit einer Begrüßung und Stellungnahme eröffnet. Es folgten Redebeiträge der Psychotherapeutin Ingeborg Kraus (Prostituiertenschutzkommission) sowie von Pani und Clemonie (Netzwerk Ella). Eine Überlebende der Prostitution verlas die Namen von Frauen in der Prostitution, die in den vergangenen zehn Jahren ermordet wurden beziehungsweise einen Mordversuch überlebt haben. Danach wurde eine Schweigeminute abgehalten.

Während der gesamten Aktion wurden große Banner mit der Aufschrift „Prostitution ist Gewalt“ und „Stoppt Sexkauf“ gezeigt, Flyer verteilt und ein Info-Stand betrieben. Die Teilnehmerinnen standen für Gespräche mit Passanten zur Verfügung.

Die Kundgebung diente der sichtbaren Forderung nach sofortiger Beendigung der Ausstellung sowie der Einführung des Nordischen Modells. Offene Briefe wurden per E-Mail an die Geschäftsführung der Bundeskunsthalle und an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gesendet.

Eine Petition zur sofortigen Beendigung der Sexwork-Ausstellung in der Bundeskunsthalle wurde an dem Tag gestartet.

Zweiter Teil: Femen-Aktion in der Bundeskunsthalle (Augenzeugenbericht)

Parallel zur Kundgebung draußen führten drei Aktivistinnen von Femen Germany eine künstlerische Protestaktion innerhalb der Ausstellung durch.

Als Detektivinnen verkleidet – mit Sherlock-Holmes-Mütze und Lupe – durchsuchten die oberkörperfreien Femen-Aktivistinnen die Ausstellungsräume nach Spuren von Opfern, Freiern und Gewalt. Sie fanden kaum etwas.

Die Besucher reagierten unmittelbar: Viele richteten ihr Handy auf die Frauen und filmten die Aktion mit großem Interesse. Einige reagierten positiv, andere beschwerten sich über die Nacktheit.

Das Personal der Bundeskunsthalle reagierte zunächst irritiert, ließ die Aktivistinnen jedoch ihre Aktion in Ruhe zu Ende führen. Ein älterer Besucher bestand darauf, die Polizei zu rufen. Die Mitarbeiter der Halle gestatteten den Frauen, die Performance abzuschließen, bevor die Polizei die drei Aktivistinnen aus der Ausstellung eskortierte.

Draußen wurden die Personalien kontrolliert und ein eintägiges Hausverbot ausgesprochen. Die Mitarbeiter der Bundeskunsthalle versicherten ausdrücklich, dass sie keine Strafanzeige erstatten wollen. Die Polizei musste trotzdem tätig werden, weil sie gerufen worden war. Es wurde von einer Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses gesprochen.

Besonders hervorzuheben ist das freundliche und korrekte Verhalten des Personals der Bundeskunsthalle. Die Mitarbeiter weigerten sich zwar, zu den Inhalten der Ausstellung Stellung zu nehmen, aber ansonsten verhielten sie sich respektvoll und professionell. Auch die Polizei agierte extrem freundlich und respektvoll.

Die Aktion war erfolgreich. Sie machte deutlich, dass Spuren von Opfern, Freiern und Gewalt in der Ausstellung auf ein Minimum reduziert beziehungsweise weitgehend ausgeblendet sind. Nach Abschluss ihrer Aktion in der Halle schlossen sich die Femen-Aktivistinnen der Kundgebung draußen an.

Ironie der Situation:
 In einer Ausstellung, die voller Darstellungen nackter und sexualisierter Frauenkörper ist, sorgten die selbstbestimmt entblößten Brüste der Protestierenden für einen Eklat und einen Polizeieinsatz. Nacktheit gilt offenbar als „Kultur“, solange Frauen als Ausstellungsobjekte gezeigt werden. Sobald Frauen ihren Körper selbstbestimmt für politischen Protest nutzen und selbst sprechen, wird daraus plötzlich ein „öffentliches Ärgernis“.

Besonders ironisch ist zudem, dass am Anfang der Ausstellung ein Bild mit der Aufschrift „ACAB“ (All Cops Are Bastards) platziert ist – während am Ende der Protestaktion in der Halle doch die Polizei gerufen wurde.

 Femen Germany bittet um Unterstützung wegen der erstatteten Anzeige nach der Aktion bei der „Sex Work“ Ausstellung. 

 

 Zur Erläuterung: 

Das Nordische Modell basiert auf vier Säulen: Entkriminalisierung der Betroffenen, starke Ausstiegshilfen, Bestrafung der Freier und Profiteure sowie Prävention und Aufklärung.

EMMA Magazin berichtete über diesen Protest: Stoppt die „Sex Work“-Ausstellung!